Die Frage wird fast immer eine Nummer zu groß gestellt. Ob ein Unternehmen Standardsoftware oder eine eigene Anwendung braucht, lässt sich nicht beantworten, weil kein Unternehmen nur einen Vorgang hat. Sinnvoll wird die Frage erst, wenn man sie auf einen einzelnen Ablauf richtet.
Die Lohnabrechnung ist überall im Wesentlichen gleich. Die Art, wie ein Zulieferer seine Fertigungsaufträge einplant, ist es nicht. Für das eine gibt es hervorragende Produkte, für das andere selten eines, das passt.
Wann Standardsoftware die bessere Wahl ist
Vier Anzeichen sprechen ziemlich zuverlässig dafür.
Der Vorgang ist üblich. Buchhaltung, Lohn, Zeiterfassung, Newsletterversand. Tausende Betriebe machen das ähnlich, und jemand hat das Problem bereits gründlicher gelöst, als es sich für Sie allein je rechnen würde.
Die nötigen Anpassungen sind Einstellungen. Ein eigenes Formularfeld, ein anderer Berichtskopf, eine zusätzliche Rolle. Solange die Anpassung im Produkt vorgesehen ist, bleibt sie beim nächsten Update erhalten.
Aus dem Vorgang entsteht kein eigener Vorteil. Niemand kauft bei Ihnen, weil Ihre Reisekostenabrechnung besser ist. Wo alle das Gleiche tun, ist Eigenbau vor allem teurer.
Es muss schnell gehen. Ein Produkt ist am Montag da. Eine Anwendung braucht auch in der kleinsten sinnvollen Ausbaustufe Wochen.
Wann sich der Eigenbau rechnet
Umgekehrt gibt es Anzeichen, bei denen ein fertiges Produkt auf Dauer teurer wird als eine eigene Anwendung.
Der Ablauf ist Ihre Eigenart. Wenn die Antwort auf „Warum macht ihr das so?“ eine Geschichte über Ihren Markt ist und keine über fehlende Software, dann bildet kein Produkt das ab, ohne dass Sie sich verbiegen.
Fremdsysteme müssen mitspielen. Sobald Warenwirtschaft, Lager, Maschinen, Portale und Shop zusammenarbeiten sollen, wird die Verbindung zum eigentlichen Thema. Genau dort sind fertige Produkte am schwächsten, weil sie ihre eigene Welt für die ganze halten.
Die Regeln ändern sich in Ihrem Takt. Wenn zweimal im Jahr eine Kalkulationsregel umgestellt wird, brauchen Sie jemanden, der das umsetzen kann, ohne auf die Produktplanung eines Herstellers zu warten.
Die Daten sollen bei Ihnen bleiben. Nicht als Glaubensfrage, sondern praktisch: Wie kommen Sie an alles heran, wenn Sie den Anbieter wechseln wollen? Ein Export in einem lesbaren Format ist eine gute Antwort. Ein Angebot über ein Migrationsprojekt ist keine.
Der teure Zwischenweg
Am häufigsten geht es dort schief, wo ein Standardprodukt so weit angepasst wird, bis es ein Einzelstück ist. Es gibt dann alle Nachteile beider Seiten. Die Anpassungen hängen an einem Dienstleister, das Update kommt trotzdem und macht die Hälfte davon kaputt, und der Hersteller stützt eine Fassung, die es so nur einmal gibt.
Ein brauchbarer Prüfstein: Wenn die Anpassungen teurer sind als die Lizenz, ist es kein Standardprodukt mehr. Dann sollte man den Weg bewusst wählen statt hineinzurutschen.
Woran es am Ende hängt
Nicht an der Größe des Unternehmens. Ein Betrieb mit dreißig Leuten kann einen so eigenen Ablauf haben, dass nur ein Eigenbau passt, während ein Konzern seine Reisekosten im Standardprodukt abwickelt.
Es hängt daran, wie eigen der Vorgang ist und wie lange er halten soll. Ein Vorgang, der in zwei Jahren anders aussieht, verträgt ein Produkt mit Kündigungsfrist besser als eine Eigenentwicklung. Ein Vorgang, der Ihr Geschäft seit zwanzig Jahren trägt, verdient eine Anwendung, die Ihnen gehört.
Wenn Sie unsicher sind, welcher Fall vorliegt, ist ein Software-Audit oder eine Beratung der günstigere erste Schritt. Steht die Entscheidung schon, beschreibt Laravel-Entwicklung, wie so ein Projekt bei uns abläuft.
